Cham pusht Rudertalente
Zwei junge Ruderer aus Cham bekommen Schub für ihre sportliche Zukunft
Zwei junge Ruderer aus Cham erhalten Rückenwind für ihre sportliche Zukunft: Die Gemeinde und das OYM fördern Jonas Wallnöfer und Samuele Heck während eines Jahres mit individuellem Training, Physiotherapie und Ernährungsberatung.
Auf dem Wasser trainieren sie für ihre sportlichen Ziele, an Land feilen sie an Kraft, Beweglichkeit und Regeneration: Die beiden 16-jährigen Ruderer Jonas Wallnöfer und Samuele Heck vom Ruderclub Cham erhalten seit August 2026 Unterstützung, wie sie auch im Spitzensport zum Einsatz kommt. Möglich macht dies ein gemeinsames Pilotprojekt der Gemeinde Cham und des OYM in Cham. Während eines Jahres begleiten Fachpersonen die beiden Nachwuchsathleten individuell und helfen ihnen, ihr Potenzial gezielt weiterzuentwickeln.
Nicht jedes Talent braucht dieselbe Unterstützung. Deshalb beginnt die Förderung mit einer genauen Standortbestimmung. Welche Fähigkeiten bringen die beiden Ruderer bereits mit? Wo können sie sich verbessern? Und was benötigen sie, um ihre nächsten sportlichen Ziele zu erreichen? Auf dieser Grundlage entwickeln Fachpersonen des OYM ein auf die beiden Jugendlichen abgestimmtes Programm. Es umfasst Athletiktraining, Physiotherapie und Ernährungsberatung. Die verschiedenen Disziplinen greifen ineinander und werden im Verlauf des Jahres an die persönliche Entwicklung der Sportler angepasst.
Das zusätzliche Training soll die Arbeit im Ruderclub Cham ergänzen, nicht ersetzen. Entscheidend ist deshalb die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Athleten, ihrem Vereinstrainer und dem OYM. So lassen sich die Erkenntnisse aus dem Training an Land mit den Anforderungen auf dem Wasser verbinden. Hinter dem Projekt steht die Idee, junge Sporttalente direkt in ihrer Region zu fördern und vorhandene Kompetenzen zusammenzubringen. Die Gemeinde Cham, das OYM sowie die Athleten und ihre Familien tragen das Vorhaben gemeinsam. Die beiden Jugendlichen erhalten dadurch Zugang zu professionellen Trainings- und Betreuungsangeboten, die auch im Spitzensport genutzt werden. Gleichzeitig geht es um mehr als die Entwicklung zweier Ruderer. Das Pilotprojekt soll zeigen, wie Gemeinden, Sportvereine, Familien und spezialisierte Einrichtungen bei der Nachwuchsförderung wirkungsvoll zusammenarbeiten können.
Das Förderprogramm dauert ein Jahr und wird anschliessend gemeinsam ausgewertet. Dabei prüfen die Beteiligten, wie sich die individuelle Betreuung bewährt hat und welche Erkenntnisse sich daraus für die regionale Sportförderung gewinnen lassen. Erst danach fällt der Entscheid, ob und in welcher Form das Projekt weitergeführt wird. Für Jonas Wallnöfer und Samuele Heck bietet das Programm unterdessen die Chance, an ihren sportlichen Fähigkeiten zu feilen und sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln – mit zusätzlicher professioneller Unterstützung im Rücken.
Nachgefragt bei... Samuele Heck und Jonas Wallnöfer
Wie hast du erfahren, dass du für das Pilotprojekt ausgewählt wurdest, und was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Samuele Heck: Ich habe die Neuigkeiten auf meiner Uhr erhalten und mich definitiv gefreut. Unser Trainer Aurel hat die Nachricht in den Chat vom Ruderclub gestellt. Besonders gefreut hat mich, dass Jonas und ich gemeinsam angenommen wurden. Am gleichen Tag hatten wir noch ein Ergotest. Dadurch konnte ich mich noch nicht zu sehr freuen, aber ich hatte sicher einen Motivationsboost.
Die Betreuung im OYM wird individuell abgestimmt. Was hat dich bei bisher am meisten überrascht, und was hast du dabei über deinen Körper gelernt?
SH: Die Ernährungsberatung hat mich am meisten überrascht. Ich musste ein Ernährungstagebuch über 4 Tage führen. Es soll veranschaulichen, was genau ich wann esse. So kam raus, dass ich im Durchschnitt rund 4000 Kalorien pro Tag esse. Ich wusste, dass ich eher viel esse, aber die genaue Zahl hat mich überrascht. Was mich auch verwundert hat, war, dass sich mein Körper sehr ans Rudern angepasst hat. Ich hatte einen Test im OYM, der meine Rückenkraft in verschiedenen Winkeln gemessen hat. Dabei wurde festgestellt, dass der Höhepunkt deutlich dort zu erkennen war, wo er auch beim Rudern liegt.
Die zusätzliche Förderung bedeutet vermutlich auch mehr Aufwand neben Schule, Rudern und Freizeit. Wie bringst du diese Bereiche unter einen Hut, und wo musst du allenfalls Abstriche machen?
SH: Ich habe das Glück noch nie gross schulische Probleme zu haben. Dadurch fällt es mir sicher leichter, Schule und Rudern unter eine Hut zu bringen. Durch diese Förderung mache ich mir vor allem über Ernährung vermehrt Gedanken. Ein sehr wichtiger Faktor zur Erholung ist, wie viel, was und wann ich Essen soll. Es stimmt aber sicher, dass ich durch den vollen Wochenplan des Ruderns nicht alles machen kann, was ich will. Ich wurde kürzlich zu einer Geburtstagparty von einem Klassenkameraden eingeladen, aber ich wusste das ich am Tag darauf früh aufstehen musste, für einen Leistungstest in Mullhouse. So etwas schränkt die Freizeit sicher ein.
Was bedeutet es für dich, für dieses Förderprogramm ausgewählt worden zu sein, und welche Hoffnungen verbindest du damit?
Jonas Wallnöfer: Für mich ist es eine grosse Ehre und eine tolle Chance. Ich sehe es als Möglichkeit, mich als Ruderer weiterzuentwickeln und meine Leistungen zu verbessern. Besonders freue ich mich darüber, dass ich zusätzliche Unterstützung in verschiedenen Bereichen erhalte, die neben dem Training auf dem Wasser wichtig sind. Ich hoffe, dass ich dadurch mein Potenzial besser ausschöpfen und an nationalen Wettkämpfen noch bessere Leistungen zeigen kann.
Was hast du in den Bereichen Athletik, Physiotherapie und Ernährung bisher gelernt, dass du vorher noch nicht so auf dem Radar hattest?
JW: Im Krafttraining habe ich gemerkt, dass hinter den Übungen viel mehr steckt. Es geht nicht einfach nur darum, möglichst viel Gewicht zu bewegen, sondern auch darum, wie man den Körper belastet und welches Ziel man mit dem Training verfolgt. Beispielsweise habe ich gelernt, dass man durch gezieltes Training auch die neuronale Ansteuerung der Muskeln verbessern kann. Ausserdem gibt es viele verschiedene Ansätze, um Kraft und Muskelmasse aufzubauen. Mir war vorher nicht bewusst, wie vielseitig Krafttraining ist und dass es weit über das klassische Schema von drei Sätzen mit je acht Wiederholungen hinausgeht.
Rudern verlangt Kraft, Ausdauer und mentale Stärke. Wo siehst du bei dir persönlich noch das grösste Entwicklungspotenzial?
JW: Ich denke, dass ich vor allem bei meiner mentalen Einstellung noch viel Potenzial habe. Bei Leistungstests mache ich mir manchmal zu viele Gedanken und gerate etwas in Panik, weil ich mir selbst nicht genug vertraue und daran zweifle, ob ich das Geforderte erreichen kann. Im Nachhinein merke ich dann oft, dass ich es trotz meiner Zweifel geschafft habe. Deshalb möchte ich lernen, mehr Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten zu haben und ruhiger an solche Situationen heranzugehen. Ich glaube, dass ich dadurch nicht nur bei Leistungstests, sondern auch bei Wettkämpfen bessere Leistungen abrufen kann.
Uwe Guntern
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